JOANNA SCHULTE
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BLACK SUN
UND
TRY NEW GAMES

Installation | 2017/2018

 

 

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Echoortung
Textauszug aus dem Katalog Stille, Salon Salder,2017

von Pia Kranz

Neun Diabetrachter auf weißen Stelen wecken meine Neugier. Spielerisch angeordnet beziehen sie sich auf einen Vorhang und schauen wie eine Touristengruppe gen Himmel. „Try New Games“ so die Aufforderung im Titel. Blickt man hinein, erkennt man schwarz-weiß Aufnahmen einer Stadt, in die andere Motive hineinmontiert wurden: ein Mädchen, eine Jugendliche, ein Hochzeitspaar. Die ersten Bande zwischen den Besuchern und der Arbeit werden geknüpft. Ich überlege, welcher Ort das sein könnte. Solche Postkarten haben wir auch bekommen. Das Mädchen sieht aus wie ich. Dieselbe Kleidung und dasselbe Lächeln. Für mich werden vergangene Jahrzehnte hier im Kuhstall wieder präsent. Die Technik bringe viel ans Licht, sagt Joanna Schulte. .... „Black Sun“ (1977/2017) zeigt die Fotografie einer jungen blonden Frau. Sie blickt den Fotografen durch ihre Sonnenbrille an und die Hand mit den lackierten Fingernägeln liegt auf der Schulter eines blonden Kindes. Flashback – ich sehe wie sich meine Mutter sorgfältig die Nägel lackiert, ihre Haare toupiert und die Lippen nachzieht. Ich fand sie wunderschön. Mein Blick fällt auf die untere linke Ecke. Von dort breitet sich der Schimmel aus, erfasst das Kind, die Hand der Mutter und verbindet sich mit dem Pelz. Beklemmend. Passiert das immer mit Erinnerungen? Die Fotografien und Filmsequenzen der Multimediakünstlerin zeigen Einblicke in Häuser, Zimmer oder Wohnungen, die lange Zeit leer standen. Dennoch klingen die ehemaligen Besitzer durch die Anordnung der Möbel und der sorgfältigen Dekoration ihrer Gegenstände nach. Wie bei einer Echoortung nimmt Schulte in ihren Arbeiten diese Resonanzen auf und verbindet sich selbst mit dem gefundenen Ort.

 

Sie bewegt sich performativ im unbewohnten Raum, lässt sich darin fotografieren oder montiert Fotos von sich selbst oder ihrer Familie mit hinein. Schulte ist das Bewusstsein für die eigene Geschichte und Herkunft wichtig, aber sie wird nicht privat, sondern bleibt offen und kann so Teil der Kartierung im Leben der Anderen werden. Sie achtet auch die Geschichten, die mit Gegenständen verbunden sind. In ihren Werken vor Ort komponiert und verdichtet sie Objekte zu neuen Zwischenwelten, in denen sich die Gedanken der Besucher verfangen können und Momente der eigenen Geschichte wiederfinden.
Die Echoortung beschreibt die Bewegung im Raum von Tieren. Um sich im Raum zu orientieren, senden z.B. Fledermäuse Schallwellen aus, die von den bewegten und unbewegten Objekten reflektiert werden. Durch diese zurückkommenden Schallwellen kann sich das Tier eine Vorstellung von seiner Umwelt machen und darauf reagieren. Es kann Hindernissen ausweichen, aber auch bewegte Beutetiere lokalisieren. In Schultes Arbeiten sind auch alle in Bewegung. Zuerst die Künstlerin, die ihr Material aufspürt und künstlerisch bearbeitet. Dann der Betrachter, der auf den künstlerischen Raum reagiert, indem er das Sichtbare durchdringt und assoziativ und ungeordnet den Raum dahinter entdeckt. Der eigene Erinnerungsspeicher verbindet sich mit dem künstlerischen Werk. Indem der Betrachter den Rauminstallation mit dem Blick und seinen Gedanken abtastet, entwickelt er eine Vorstellung von seiner inneren Welt. Es entsteht ein Zwischenraum, in dem Ereignisse, Gefühle und Sinneswahrnehmungen über Raum und Zeit hinweg im Moment der Betrachtung wie in einem Brennglas fokussieren und erlebbar werden.


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03 | Weil das was ist nicht alles ist | Licht/Klanginstallation | 2016
04 | Wir sind was wir waren | Mixed Media | 2016
05 | Stereo twice | Klang/Lichtinstallation | 2018
06 | Try new games und Black sun | Installation | 2018
07 | Waldhotel und Rot und Wald | Fotografie |2016- 2019
08 | input output, schwarz | Licht/Klanginstallation | 2019
09 | Hermannstraße | Fotografie und Film| 2010
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11 | Von der Wiederkehr der Unordnung oder Repeat of ordinary | Videoinstallation | 2008/2009
12 | Oma G. | Fotografie und Film | 2005, 2010
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